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  • Dialektforschung mit Körpereinsatz

    Geschrieben am 4. Mai 2010 Birgit Merk Keine Kommentare

    blattgruen

    Nach vollbrachtem Tagwerk noch schnell an die frische Luft, trotz Regen? Eine gute Idee. Dafür mit einer in die Jahre gekommenen Jacke durch die Schrebergartenkolonie zu laufen war allerdings eine weniger brauchbare Idee. Auch wenn auf einem Blechschild in emaillierten Lettern stand, dass es sich um einen öffentlichen Durchgang handle, der bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet sei.

    Scheinbar gilt das nur, wenn man nicht zufällig von misstrauischen Rentnern beäugt wird, wie man verdächtig lange an Flieder und Kirschblüten schnuppert. Sich dabei an Kindheitstage und vergangene Frühlingsregen zu erinnern, verlangsamt den Vorgang ja auch noch. Nach einem weiteren Durchgang Blickduell auf weite Entfernung entschloss ich mich, der in den erfahrenen Augenpaaren deutlich blitzenden Empfehlung dann doch zu folgen. Somit wollte ich die Kleingartenanlage verlassen, kurz nach den rüstig ausschreitenden Senioren. Selbige hatten aber offensichtlich wieselflink die Tore abgeschlossen. Dies stellte ich erstaunt fest, denn die Dämmerung hatte sich keinesfalls bereits herab gesenkt, von Dunkelheit keine Rede. Zum Glück konnte ich der Anlage über den Ausgang durch die anliegende Gartenwirtschaft noch entkommen und war nicht gezwungen, in einer Gartenlaube noch mehr und noch illegalere Gedankenreisen in die Vergangenheit zu unternehmen.

    Der weibliche Teil des Rentnerpaars stellte mich dann tatsächlich in der schmalen Gasse, aus der ich kommen musste, wie sie ja sehr wohl wusste. Es schallte mir, die ich frecherweise noch immer nicht zitternd weichen wollte, in bestem Oberbairisch erbost entgegen: “Ham’s’ gar ebbas obigstocha?” (Anregungen zur korrekten Schreibweise oder Wortwahl sind willkommen. Ich habe etwas Mühe damit, denn ich komme ja aus Schwaben und schäme mich dessen nicht öffentlich.) Nach einem kurzen Austausch von Freundlichkeiten, unter anderem meiner Nachfrage, ob es mittlerweile verboten sei, dem Duft des weißen Flieders zu frönen, was verneint wurde, war einiges geklärt. Die Dame wusste, dass ich keine Pflanzen oder Früchte stehlen wollte und entschuldigte sich sogar. Ich wusste, dass nach einigen Beutegängen der Anwohner der Frustrationsgrad bei den Kleingärtnern wohl hoch ist, aber auch: Sowohl der Münchner Dialekt als auch der Grant leben noch, Keine Angst, Süddeutsche Zeitung, es gibt Hoffnung!

  • Was trinkt man dazu?

    Geschrieben am 15. Februar 2010 Birgit Merk Keine Kommentare

    Vielleicht einen Merlot Malheur. Zum Wohl.

    Pizza-Panne

    Pizza-Panne

  • Platz sparen fordert Opfer

    Geschrieben am 11. Februar 2010 Birgit Merk Keine Kommentare

    Während der Betroffenheit um die Katastrophe in Haiti fiel mir eine Überschrift in der lokalen Zeitung negativ auf. Es wurde eine Zirkusvorstellung beworben, die zum Sammeln von Spenden dienen sollte. Die Zeitung schrieb über ihren Artikel folgendes:
    “Zirkusvorstellung für Haiti-Opfer”

    Das fand ich sehr makaber. Richtig wäre die etwas längere Überschrift “Zirkusvorstellung zugunsten von Haiti-Opfern” gewesen. Denn ich bin sicher, dass die Opfer nicht in den Zirkus gehen möchten und können, um dieser Vorstellung beizuwohnen.  Der Zirkus hingegen, der sich engagierte, hat doppelt Lob verdient. Er schrieb auf seiner Homepage die korrekte Überschrift, um auf die Spendensammlung hinzuweisen.

  • Kalender für wirklich jeden Geschmack

    Geschrieben am 25. Oktober 2009 Birgit Merk 1 Kommentar

    Neulich im Schreibwarengeschäft:
    Ich: “Haben Sie Kalender von Heye?” (dieses von mir geschätzte Modell erwerbe ich normalerweise um diese Jahreszeit, weil er im Dezember dann vergriffen ist)
    Verkäuferin: “Nein, nur von Delfine”
    Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis ich begriff, dass mir unterstellt worden war, etwas ganz anderes zu suchen, weil Akustik und Umgangssprache der Verkäuferin eine Falle gestellt hatten. So kam es, dass ich nun statt des gewohnten Modells einen auch praktischen und unscheinbaren Kalender für 2010 besitze. Von einer Marke, die rund um eine Marketinglüge eine Produktwelt geschaffen hat, die akustisch unverwechselbar ist, vor deren Erwerb ich mich aber bisher aus Gründen der Klischee-Zielgruppen-Zuordnungsmöglichkeit gedrückt hatte.